Tropische Tiere der Nacht

"Fledermäuse - Jäger und Gejagte"

Wir sind bekannt für unser Vivarium, in dem man auch im Winter einen Schwarm tropischer Brillenblattnasenfledermäuse beobachten kann. Dem großen Interesse an der Beobachtung lebendiger Tiere wurde nun Rechnung getragen und der Tierbestand des Hauses auf spannende Art ergänzt. Während die Mehrzahl aller Fledermausarten Insekten fressen, haben sich manche -  insbesondere  in den subtropischen und tropischen Breiten - ein recht spezielles Nahrungsspektrum erschlossen. Für etwa ein Dutzend Fledermausarten weltweit stehen Fische, Frösche, Reptilien und Kleinsäuger auf dem Speisezettel. So werden im neuen Teil der Dauerausstellung unter der Überschrift „Fledermäuse  - Jäger und Gejagte“ kuriose Beutetiere von Fledermäusen gezeigt. Ausstellungsbesucher  lernen die interessanten Jagdstrategien dieser Fledermausarten kennen und können viel über die spannende Ökologie dieser Tiere erfahren.

Besonders gelungen ist das Terrarium mit den Rotaugenlaubfröschen.

Rotaugenlaubfrosch (Foto Gloza-Rausch)

In einem 1,20 Meter hohen Glasbecken ist der mittelamerikanische Regenwald nachempfunden, die Heimat dieser bemerkenswert hübschen Frösche.  Viel Technik ist notwendig, um die Temperaturen um die 26 Grad Celsius und die Luftfeuchte bei fast 100 Prozent zu halten. Da Rotaugenlaubfrösche nachtaktiv sind, müssen die Besucher in der schummerigen Beleuchtung schon recht genau hinschauen, um einen der grünen Frösche mit den tief roten Augen und hellblauen Seitenstreifen zu entdecken. Man kann sich recht gut vorstellen, wie es wohl im Dschungel Mittelamerikas zugeht, wenn eine Fransenlippenfledermaus aus dem Dickicht geschossen kommt und einen der putzigen Gesellen vom Geäst sammelt.

Biologen haben herausgefunden, dass Fransenlippenfledermäuse sogar giftige Pfeilgiftfrösche von ungiftigen Doppelgängern am Quaken unterscheiden können. Dazu wird einer der schönsten und giftigsten Pfeilgiftfrösche der Welt gezeigt, der leuchtend blaue Pfeilgiftfrosch Dendrobates azureus.

Blauer Pfeilgiftfrosch (Foto Gloza-Rausch)

Aber Gift schützt auch nicht immer vor hungrigen Fledermäusen. So kann der Kenia Kaiserskorpion mit seinem Giftstachel zwar schmerzhaft zustechen, doch die afrikanische Schlitznasenfledermaus überwältigt den wehrhaften Skorpion mühelos. Die ebenfalls in Afrika verbreitete Herznasenfledermaus belauscht das Piepsen von Kleinsäugern, um sie dann zielsicher vom Boden wegzufangen. Als Beispiel für die Beute dieser in Ostafrika verbreiteten Fledermäuse wurden Savannensiebenschläfer nach Bad Segeberg geholt. In einem großzügig gestalteten Gehege können die nur wenig scheuen Tiere bei ihren spielerischen Verfolgungsjagden, den akrobatischen Klettereinlagen und beim Fressen toll beobachtet werden.

Weniger hektisch geht es bei den Australischen Dickschwanzgeckos zu. In ihrem, dem australischen Outback nachempfunden, Gehege, sind diese scheuen Tiere nur im Dämmerlicht der Ausstellung gut zu beobachten. Langsam und bedächtig bewegen sie sich auf dem roten Wüstensand. Lediglich an der sich rhythmisch hin und her bewegenden kleinen Schwanzspitze kann man erkennen, dass der Gecko auf der Pirsch ist, um eines der reichlich vorhandenen Futterheimchen zu erwischen. In der australischen Wüste könnte nun jeden Moment die Gespenstfledermaus vorbei kommen und ihn schnappen!

Australischer Dickschwanzgecko (Foto Gloza-Rausch)

Eine ganz besondere Jagdweise hat das in Mittelamerika beheimatete Große Hasenmaul entwickelt. Diese Fledermausart kann man über dem Panamakanal dabei beobachten, wie sie dicht über der Wasseroberfläche fliegt und mit ihren extrem verlängerten Füßen immer wieder das Wasser durchkämmt. Sie jagt Fische!

Aber Fledermäuse stehen nicht am Ende der Nahrungskette, auch sie haben Fressfeinde. Gerade in den Tropen sind es neben den Greifvögeln vor allem Schlangen, die Jagd auf Fledermäuse machen. Als Beispiel gibt es im Noctalis im größten Terrarium der neuen Ausstellung einen Grünen Baumpython aus Papua-Neuguinea zu sehen. Meist ruht das fast 1,20 Meter lange Tier aufgerollt auf einem Ast und beobachtet aufmerksam die Besucher durch die Scheibe. In freier Wildbahn lauern Schlangen oft vor Höhleneingängen und anderen großen Fledermausquartieren, um aus einem Fledermausschwarm ein Beutetier heraus zu fangen.

Grüner Baumpython (Foto Gloza-Rausch)

Insgesamt bietet die neue Ausstellung im Fledermaus-Zentrum Noctalis gerade in der Winterzeit eine gute Gelegenheit, Feuchtigkeit und Kälte zu entkommen und in die Welt der tropischen Fledermäuse einzutauchen.

 

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung:

Florian Gloza-Rausch:
(gloza-rausch@noctalis.de)
und Sabrina Stölting:
(tierpflege@noctalis.de)

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Gecko klein