Tipps für Haus & Garten.

Mit geeigneten Maßnahmen und Kästen kannst du wertvolle Verstecke schaffen und die Jäger der Nacht unterstützen.

So wird dein Zuhause zum Fledermaus-Paradies

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Von den rund 25 in Deutschland heimischen Arten sind in Schleswig-Holstein allein 15 Arten nachgewiesen. Da mehr als die Hälfte unserer heimischen Arten als Kulturfolger auf Gebäude angewiesen sind, sei es für die Aufzucht ihrer Jungen (in sogenannten Wochenstuben) oder als Tages- und Winterquartier, spielt die Gestaltung unserer Häuser und Gärten eine überlebenswichtige Rolle für den Artenschutz. 

Keine Sorge: Fledermäuse sind weder blutrünstig, noch bauen sie eigenen Nester, sie bringen kein Nistmaterial ein, nagen keine Löcher, knabbern keine Kabel an und hinterlassen keine strukturellen Schäden an Hauswand oder Dämmung. Sie sind leise Untermieter und phänomenale Mückenjäger. Eine einzige Fledermaus verputzt pro Nacht bis zu 4.000 Insekten! 

Da natürliche Verstecke in Baumhöhlen oder Felsspalten immer seltener werden, verbringen die Tiere den Tag gut versteckt in geschützten Hohlräumen. Mit geeigneten Maßnahmen und Kästen kannst du wertvolle Verstecke schaffen und die Jäger der Nacht unterstützen. 

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in Deutschland heimisch

1. Das fledermausfreundliche Haus: Verstecke, Bautechnik & Kästen

Fledermäuse suchen lediglich vorhandene Hohlräume, die zugluftfrei, dunkel, regengeschützt und gut klimatisiert sind. Je nach Bauweise deines Hauses gibt es verschiedene Möglichkeiten, Wohnraum zu schaffen. 

Gebäudeintegrierte Quartiere & Sanierung

Ungedämmte Dachböden (Kaltdächer):

Unbeheizte Dachräume eignen sich hervorragend für dachbewohnende Arten wie das Große Mausohr oder die Breitflügelfledermaus.

Große Einflüge:

Freie Einflüge gelingen über sogenannte Eulenlöcher oder Holzläden anstelle fester Fenster.

Kleine Einflüge:

Mauerdurchbrüche im Firstbereich, justierte Kippfenster, hochstehende Dachziegel oder unvermörtelte Firstendziegel schaffen schmale Zugänge. Unterhalb kleiner Öffnungen hilft den Tieren ein sägeraues Anflugbrett.

Taubenschutz:

Damit Tauben draußen bleiben, nutzt man Gitter mit integrierten Holzbrett-Schlitzen (maximal 5 cm hoch) oder Lamelleneinsätze. Tauben meiden zudem abgedunkelte Räume ohne Anflugkanten.

Einbauten im Dachstuhl:

Hoch oben im Sparrenfeld oder Firstbereich lassen sich spitz zulaufende Holzkonstruktionen oder seitliche Bretter mit gefrästen Nuten montieren. Nach unten bleibt lediglich ein ca. 1,5 bis 2 cm breiter Einflugschlitz frei.

Fassaden, Flachdächer & Schornsteine:

Gebäudebeziehende Arten wie die Zwergfledermaus nutzen feine Außenwandstrukturen.

Fassadenverkleidungen:

Unter Holzschalungen, Eternit- oder Schieferverkleidungen wird eine Unterkonstruktion aus Dachlatten (mind. 2–2,5 cm Stärke) angebracht. Nach oben muss das Quartier gegen Zugluft dicht sein; waagerechte Lattungen brauchen Lücken zum Klettern.

Fensterläden & Attika:

Fest montierte Vollholz-Fensterläden mit 1,5 bis 2,5 cm Wandabstand bieten Sommerquartiere, wenn die Fassadenwand dahinter rau aufgeraut ist. Auch Hohlräume hinter Flachdach-Verkleidungen (Attika) dienen als Spaltenquartier.

Schornsteine:

Eine Schalung über einer senkrechten Lattung schafft Verstecke; Einflugspalte sollten an der firstabgewandten Seite liegen.

Gedämmte Dachböden & Energetische Sanierung

Einbausteine:

Spezielle Holzbeton-Quartiersteine lassen sich bündig in die Wärmedämmung integrieren. Zur Vermeidung von Wärmebrücken baut man sie bevorzugt im unbeheizten Giebelbereich ein.

Holzweichfaserplatten:

Im Unterdach- oder Traufbereich sind formstabile Holzweichfaserplatten für die Krallen der Tiere greifbarer als glatte, rutschige Standard-Unterspannfolien.

Abtrennung:

Bei vollgedämmten Dächern kann ein kleiner, isolierter Fledermausraum abgetrennt werden, der nur einen eigenen Mauerdurchbruch nach draußen besitzt.

Externe Fledermauskästen: Typen, Material & Bauanforderung

Wenn am Gebäude keine Hohlräume vorhanden sind, sind externe Kästen an Hauswänden, Scheunen oder stabilen Bäumen die beste Wahl. 

Welche Kasten-Typen gibt es?

1. Flachkästen (Spaltenquartiere):

Sie ähneln engen Wandspalten oder Baumrinden. Viele Flachkästen sind nach unten hin komplett offen. Der Vorteil: Der Kot fällt von alleine heraus, wodurch sie selbstreinigend und extrem alltagstauglich sind.

2. Rund- oder Höhlenkästen (Tiefkästen):

Sie sind Baumhöhlen nachempfunden. Sie bieten mehr Raum, müssen jedoch etwa alle ein bis zwei Jahre kontrolliert und gereinigt werden, da sich sonst Vogel- oder Wespennester im Eingang festsetzen.

Geeignete Materialien & Bauweise (Auch für DIY-Projekte):

Holzbeton vs. Holz:

Holzbeton ist langlebiger, wetterbeständiger und bietet hervorragende Thermik, ist allerdings schwerer. Holzkästen sind leichter und ideal für geschützte Bereiche unter Dachvorsprüngen.

Innenraum & Anflug:

Das Holz muss im Inneren und im Bereich des Anflugbretts „sägerau“ sein. Glattes, gehobeltes Holz bietet den Füßen keinen Halt. Waagerechte Rillen oder Fräsnuten helfen zusätzlich beim Klettern.

Einschlupfspalt:

Der Abstand zwischen Rückwand und Vorderwand sollte am Einflug etwa 18 bis 25 mm betragen und darf sich nach oben hin verjüngen.

Dichtigkeit & Chemie:

Der Kasten muss bis auf den Eingang vollkommen dicht, dunkel, zugluftfrei und regengeschützt sein; es dürfen innen keine Nägel herausragen. Wichtig: Das Holz darf nicht mit chemischen Schutzmitteln behandelt werden! Eine wetterbeständige Leinölfirnis auf der Außenseite reicht völlig aus.

Geeignete Materialien & Bauweise (Auch für DIY-Projekte):

Höhe & Anflug:

Hänge Kästen in einer Höhe von mindestens 3 bis 5 Metern auf. Der Anflugbereich muss frei von störenden Ästen oder Hindernissen sein, damit die Tiere problemlos anfliegen und schwärmen können.

Befestigung:

An Hauswänden nutzt man rostfreie Edelstahlschrauben und Dübel. An Bäumen eignen sich Alunägel oder ummantelte Drähte, die den Baum nicht schädigen. Der Kasten muss absolut fest sitzen und darf im Wind nicht wackeln.

Standortwahl am Gebäude:

Ruhige Fassadenbereiche und Eckpositionen an Gebäuden sind für Fledermäuse oft attraktiver als die Mitte einer flachen Wand.

Konflikte vermeiden:

Hänge Kästen nicht direkt über Fenster, Balkone, Hauseingänge oder Sitzecken, um Verschmutzungen durch herausfallenden Kot zu verhindern.

Ausrichtung & Besonnung:

Gute Lagen sind Ost bis Südwest, da sich die Kästen durch die Sonne erwärmen. Wichtig ist jedoch Schutz vor direkter Mittagsitze (Gefahr von Hitzestau) sowie Windschatten. Auch kältere Nordlagen sind als Ergänzung sinnvoll, da Fledermäuse an heißen Sommertagen kühle Ausweichquartiere suchen.

Wie viele Kästen?

Fledermäuse wechseln im Jahresverlauf immer wieder ihr Quartier. Es ist daher ideal, eine kleine Gruppe von mehreren Kästen an unterschiedlichen Gebäudeseiten oder benachbarten Bäumen anzubringen, um verschiedene Mikroklimata (sonnig, schattig, warm, kühl) anzubieten.

Eignen sich Bäume?

Ja, sofern der Anflug frei bleibt. Einzelne Zweige in der Nähe stören nicht, aber der direkte Eingang darf nicht durch dichtes Laub verdeckt werden.

Geeignete Materialien & Bauweise (Auch für DIY-Projekte):

Geduld bewahren:

Fledermäuse müssen neue Quartiere erst entdecken und als sicher einstufen. Es dauert oft 3 bis 4 Jahre, bis ein Kasten bezogen wird. Ein leerer Kasten bedeutet nicht, dass du etwas falsch gemacht hast. Wenn nach vier Jahren gar nichts passiert, lohnt sich das Umhängen an einen anderen Standort.

Nutzung erkennen:

Beobachte den Kasten in der Dämmerung oder schaue vorsichtig von unten nach Kotspuren. Fledermauskot ist trocken, krümelig, zerfällt leicht zwischen den Fingern und enthält glänzende Insektenreste.

Störungsverbot:

Fasse niemals in den Kasten hinein und öffne ihn nicht! Fledermäuse reagieren extrem empfindlich auf Störungen.

2. Der fledermausfreundliche Garten: Nahrungs- & Jagdhabitat

Ein Kasten nützt wenig, wenn das Umfeld keine Nahrung bietet. Fledermäuse benötigen ein reichhaltiges Angebot an nachtaktiven Insekten, Käfern und Faltern. 

Kategorie Botanischer & Deutscher Name Biologischer Nutzen
Gehölze & Kletterpflanzen
Lonicera periclymenum (Waldgeißblatt / Jelängerjelieber)

Buddleja davidii (Sommerflieder)

Sambucus nigra (Holunder)

Salix caprea (Salweide)

Ligustrum vulgare (Liguster)
Dienen als Futterpflanzen für Raupen und locken mit intensivem Abendduft Nachtfalter an.
Stauden & Blühpflanzen
Oenothera biennis (Gemeine Nachtkerze)

Hesperis matronalis (Nachtviole)

Silene vulgaris (Aufgeblasenes Leimkraut)

Saponaria officinalis (Seifenkraut)

Lunaria rediviva (Silberblatt)
Öffnen ihre Blüten meist erst in der Dämmerung und verströmen lockende Duftstoffe für Insekten.
Kräuter & Wiesen
Origanum vulgare (Wilder Majoran)

Allium schoenoprasum (Schnittlauch)

Mentha spec. (Minze)

Artenreiche Blumenwiesen statt Rasen.
Bieten Lebensraum für Käfer, Fliegen und Spinnentiere.
Wasserflächen
Fischfreier Gartenteich mit Anflugschneise.
Dient Insekten als Entwicklungsraum und Fledermäusen als Tränke im Sturzflug.

3. Schutzmaßnahmen, Licht & Reinigung

Lichtimmissionen vermeiden („Licht aus!“): Fledermäuse meiden Licht extrem. Angestrahlte Einflugöffnungen führen dazu, dass die Tiere das Quartier nicht mehr nutzen! Richte Solarleuchten, Fassadenstrahler oder Bewegungsmelder niemals auf den Kasten, den Anflugbereich oder Bäume. Verwende bei unumgänglicher Beleuchtung voll abgeschirmte Leuchten nach unten sowie warmweiße LEDs (unter 3.000 K, frei von UV/Blauanteilen). 

Kein chemischer Holzschutz: In Quartierbereichen dürfen keine giftigen Holzschutzmittel verwendet werden. Setze auf mechanischen Witterungsschutz, umweltfreundliche Lasuren („Blauer Engel“) oder bei Befall im Dachstuhl auf das biologische Heißluftverfahren (Abtötung von Holzschädlingen durch Erhitzung auf über 55 °C). Anstriche dürfen nur bei Abwesenheit der Tiere und spätestens 6 Wochen vor deren Rückkehr erfolgen. 

Reinigung & Pflege:

Offene Flachkästen...

...reinigen sich selbst.

Geschlossene Höhlenkästen...

...sollten ein- bis zweimal im Jahr (ideal Anfang März oder im September/Oktober) mit einem Besen ausgefegt und mit Wasser gereinigt werden, um Kot, Parasiten oder alte Nester zu entfernen. Keine chemischen Reinigungsmittel nutzen und am besten Handschuhe tragen.

Strikte Ruhezeiten:

Während der Wochenstubenzeit (Mai bis Juli) und des Winterschlafs (November bis April) dürfen Kästen weder geöffnet noch gereinigt werden.

Rechtlicher Rahmen:

Alle heimischen Fledermausarten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Vor Arbeiten an Gebäuden muss geprüft werden, ob Quartiere vorliegen. Festgestellte Verstecke dürfen nicht ohne behördliche Abstimmung und ökologische Baubegleitung verschlossen oder zerstört werden.

Fund geschwächter Tiere:

Fasse Fledermäuse niemals mit bloßen Händen an (Schutz vor Bissen!). Setze das Tier mit dicken Lederhandschuhen in einen gelochten, entweichsicheren Karton mit Küchentuch-Versteck. Biete vorsichtig tropfenweise Wasser via Pipette an und kontaktiere umgehend FledermausexpertInnen.

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