Wissenswertes.

Fledermäuse und der Kalkberg

Welche Rolle spielt der Kalkberg für den Fledermausschutz?

Der Kalkberg in Bad Segeberg ist ein ökologisch bedeutender Lebens- und Schutzraum für Fledermäuse und gilt damit als Schlüsselpunkt im regionalen Artenschutznetzwerk. Die Kalkberghöhlen bieten sieben verschiedenen Fledermausarten und davon bis zu 30.000 Individuen ein besonders geeignetes und in den Wintermonaten ungestörtes Winterquartier. Es stellt damit eines der größten und wichtigsten Winterquartiere für Fledermäuse in Nordeuropa.  Der Kalkberg, die Kalkberghöhlen und auch der Kleine Segeberger See gehören zu einem Flora-Fauna-Schutzhabitat, um diesen einzigartigen Lebensraum tiefgreifend und nachhaltig schützen zu können.

Der Kalkberg  als bedeutender Forschungs- und Monitoring-Standort

Der Kalkberg gilt weiter als bedeutender Forschungs- und Monitoring-Standort. Seit Jahrzehnten werden die Fledermäuse in der Höhle und auch am Kalkberg von Fledermausforschern und -forscherinnen beobachtet und dokumentiert. Eine Lichtschrankenanlage an den Haupteinflugslöchern zur Höhle zeichnet die Aktivität der Fledermäuse in der Höhle auf und zählt die ein- und ausfliegenden Individuen. Auch am Kalkberg gibt es viele verschiedene Versteckmöglichkeiten für kleinere Fledermausarten, wie die Zwergfledermaus. Der Kalkberg bietet mit seiner geologischen Besonderheit verschiedene Spalten, Risse und Kluften, in denen Fledermäuse mit Vorliebe den Tag verschlafen oder, wie im Fall der Zwergfledermaus, sogar überwintern

Lebensraum für Fledermäuse

Der Kalkberg bildet zusammen mit seinem Umfeld wichtige Flugkorridore und Sommerlebensräume für Fledermäuse, die zwischen Jagdgebieten und Quartieren pendeln. Die Höhlen werden durchaus auch im Sommer von den Fledermäusen genutzt: Im Mai vorrangig von den Männchen während der Männchenschwärmphase und ab August von Weibchen mit ihren Jungtieren. Ab September startet die Einflugsphase der Fledermäuse, die hier ihren Winterschlaf verbringen wollen.  Der Schutz der Wege zur Kalkberghöhle z.B. durch Schatten- bzw. Dunkelkorridore ist Teil regionaler Schutzbemühungen.

Bildung und Aufklärung im Noctalis

Ein unverzichtbarer Teil und wichtiger Bestandteil des Fledermausschutzes ist die Bildung und Aufklärung rund um das Thema „Fledermaus“. Dieser Aufgabe hat sich das „Noctalis- Welt der Fledermäuse“ am Fuße des Kalkberges angenommen.

Warum ist Dunkelheit für Fledermäuse wichtig?

Fledermäuse haben sich im Laufe der Evolution ihre arteigene ökologische Nische geschaffen: die Dunkelheit der Nacht. Kaum ein anderer Insektenjäger kann sich in der Dunkelheit derart gut orientieren und hohe Jagderfolge verzeichnen. Licht in der Dunkelheit ist ein unbekannter und störender Faktor, auf den die Fledermaus nicht vorbereitet bzw. angepasst ist. Licht bedeutet immer auch Gefahr, denn die Fledermäuse können beim Durchflug durch eine Lichtquelle leicht von Beutegreifern wie Eulen, Katzen oder Mardern gesehen werden.

Beleuchtete Tagesquartiere: Verzögerter Ausflug und Quartierverlust

Wenn die Tagesquartiere von Fledermäusen (Häuser, Kirchen, Bäume) beleuchtet werden, kann es sein, dass die Fledermäuse nachts erst verspätet oder gar nicht zu Jagd ausfliegen. Diese nächtliche Verspätung hat große negative Auswirkungen auf den Jagderfolg der Fledermäuse, da ihnen viel Zeit verloren gegangen ist. Auch könnten die Fledermäuse bei einem verspäteten Ausflug einen geeigneten Fortpflanzungspartner verpassen. Tagesschlafverstecke werden bei dauerhafter Störung durch Beleuchtung aufgegeben. Besonders stark bedroht Arten wir die Großen Mausohren oder Hufeisennasen sind betroffen, die diese oft Dachböden oder Kirchen nutzen.

Störung von Flugkorridoren

Flugkorridore, die Fledermäuse von ihren Tagquartieren zu den Jagdgebieten führen, werden von lichtscheuen Fledermausarten gemieden, sobald diese ganz oder teilweise beleuchtet werden (Fußwege). Die Fledermäuse nehmen dann einen Umweg in Kauf. Doch sollte der Flugweg von Quartier zu Jagdgebiet zu lang werden, wird das sichere Tagesquartier aufgegeben. Zu den besonders lichtscheuen Arten gehören: Langohren, Hufeisennasen oder Wasserfledermäuse.

Beleuchtete Jagdgebiete und ihre Folgen für Ökosysteme

Aktiv beleuchtete Jagdgebiete, wie z.B. Seen, Parks oder Gärten werden von Fledermäusen nicht mehr genutzt. Ein Rückgang von Fledermäusen und eine Zunahme von (Schädlings-)Insekten in diesem Gebiet sind die Folge. Großräumige Beleuchtungen können ganze Fledermauspopulationen lichtscheuer Arten voneinander trennen. Dadurch kann der Genaustausch eingeschränkt werden.

Die Sonderrolle der Zwergfledermaus als Lichtnutzer

Im Gegensatz zu den lichtscheuen Fledermausarten steht die Zwergfledermaus: Sie hat gelernt die Anziehungskraft des Lichts auf Insekten auszunutzen und jagt bevorzugt um Straßenlaternen herum. Problematisch ist jedoch, dass die Insekten, die durch das Licht angezogen werden, als Nahrungsangebot in anderen Jagdgebieten der lichtscheuen Fledermäuse fehlen. Zudem werden die Insekten aus ihrem Brutgebiet weggelockt, sodass sie keinen geeigneten Ort finden, um ihre Eier abzulegen.

Woher kommen die Fledermäuse im Kalkberg?

Die Fledermäuse, die jedes Jahr in der Kalkberghöhle überwintern, kommen nicht nur direkt aus Bad Segeberg, sondern aus dem weiteren Umland der Region. Aufgrund der idealen Bedingungen der Höhle als Winterquartier kommen die Fledermäuse aus einem recht weiten Einzugsgebiet. BiologInnen haben anhand von Beringungsdaten festgestellt, dass die Fledermäuse aus einem Umkreis von bis zu 250km rund um Bad Segeberg kommen, um in der Höhle zu überwintern. Dabei kommen die Fledermäuse aus den verschiedensten Habitaten, wie Wälder, Wiesen, Auenlandschaften und Gewässernähe.

Wie viele Arten gibt es in Schleswig-Holstein und warum sind nicht alle in der Kalkberghöhle anzutreffen?

In Schleswig-Holstein gibt es ungefähr 15 verschiedene Fledermausarten, wobei nur sieben dieser Arten ihren Winterschlaf in der Kalkberghöhle verbringen. Dazu gehören: Wasserfledermaus, Fransenfledermaus, Bartfledermaus, Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr, Braunes Langohr und die Teichfledermaus. Sie finden in der Kalkberghöhle die idealen Bedingungen für ihren Winterschlaf vor: Ungestört (die Höhle ist von Oktober bis April für BesucherInnen geschlossen), eine gleichbleibende Temperatur von 10°C, fast 100% Luftfeuchtigkeit und viele Spalten und Kluften als Versteckmöglichkeit. Doch nicht alle Fledermausarten sind so anspruchsvoll an ihr Überwinterungsquartier. Die Zwergfledermaus verbringt den Winter oftmals auch in ihrem Sommerquartier und jagt sogar noch bei einer Temperatur von um die 0°C. Die Zwergfledermaus ist auch in der Lage während des Winterschlafes starke Temperaturschwankungen wahrzunehmen und zu reagieren: Fallen die Temperaturen weit in den Minusbereich, wacht die kleine Fledermaus auf, um sich tiefer zu verkriechen oder gar ein weit geschützteres Quartier aufzusuchen. Mückenfledermäuse sind ebenfalls sehr klein und können im Winter Schutz in Baumhöhlen oder Mauernischen suchen.

Der Große Abendsegler überwintert bevorzugt in Wäldern oder in Fledermauskästen. Es gibt besondere Abendseglerkästen, die zusätzlich isoliert ein ideales Winterquartier für die große Fledermausart darstellen können. Der Große Abendsegler fliegt nachts sehr schnell, hat aber eine tiefe und damit langsamere Echoortung. Für diesen „Freiflieger“ ist die Kalkberghöhle zu beengt. Auch der Große Abendsegler jagt noch bis kurz vor der Gefriergrenze.

Welchen Gefahren sind Fledermäuse ausgesetzt?

Fledermäuse gehören zu den stark gefährdeten Säugetieren Europas. Fast alle heimischen Arten stehen unter strengem Schutz, da sich ihre Lebensräume durch menschliche Einflüsse massiv verändert haben. Die Probleme und Gefahren, welchen Fledermäuse ausgesetzt sind, sind sehr vielfältig.

Quartierverlust als größte Bedrohung

Das größte Problem mag hier der Quartierverlust sein. Fledermäuse sind extrem quartiertreu. Geht ein Quartier verloren, haben Fledermäuse große Schwierigkeiten sich ein neues geeignetes Quartier zu suchen bzw. überhaupt eines zu finden. Durch die Sanierung und Dämmung von Häusern verschwinden Spalten oder Möglichkeiten einer Dachbodennutzung. Das Abreißen alter Gebäude, Scheunen oder Ställe kann ebenfalls mit einer Zerstörung eines Fledermausquartieres einhergehen.

Gefährdung der Winterquartiere durch Störung

Geeignete Winterquartiere wie Keller, Stollen oder Höhlen werden verschlossen oder durch Betreten permanent gestört. Jede Störung weckt die Fledermäuse und sie erleiden einen enormen Energieverlust. Bei häufigen Störungen verhungern die Fledermäuse noch vor dem Frühling.

Verlust von Baumhöhlen und Totholz

Durch die Fällung alter Bäume gehen Baumhöhlen verloren. Das ist nicht nur für Fledermäuse problematisch, die Ausräumung von Totholz ist auch für Vögel oder Insekten eine existenzielle Bedrohung.

Zerstörung von Wochenstuben – eine besondere Gefahr

Zerstörung von Wochenstuben – eine besondere Gefahr

Die Zerstörung von Sommerquartieren mit Wochenstuben ist besonders kritisch, da Fledermäuse in Europa meist nur ein Junges pro Jahr bekommen und Verluste kaum ausgleichen können.

Zerschneidung von Lebensräumen durch Infrastruktur

Zerschneidung von Lebensräumen durch Infrastruktur

Durch den Bau neuer Straßen und Autobahnen kommt es durch die Zerschneidung von Landschaften zu einer Unterbrechung von Flugrouten und dem Verlust von Jagdgebieten.

Künstliche Beleuchtung als zusätzliche Barriere

Künstliche Beleuchtung als zusätzliche Barriere

Eine schwerwiegende Rolle spielt hier auch die Beleuchtung von Straßen und Wegen, da Fledermäuse das Licht meiden. Eine Dauerbeleuchtung von Häusern, Kirchen oder Parks verhindert das Ausfliegen aus den Quartieren.

Verlust von Leitlinien und strukturreicher Landschaft

Verlust von Leitlinien und strukturreicher Landschaft

Fledermäuse jagen entlang fester Strukturen („Leitlinien“), wie Hecken, Baumreihen, Waldränder oder Gewässerufer und finden sich bei Landschaftsveränderungen nur sehr schwer wieder zurecht. Ausgeräumte Agrarlandschaften (Monokulturen), Rückgang von Feuchtgebieten, Bau- und Stadtgebiete oder die Versiegelung von Flächen bieten wenige Raum für Biodiversität. Fledermäuse finden schlechter Nahrung und verlieren sichere Flugkorridore.

Quartierverlust als größte Bedrohung

Quartierverlust als größte Bedrohung

Das größte Problem mag hier der Quartierverlust sein. Fledermäuse sind extrem quartiertreu. Geht ein Quartier verloren, haben Fledermäuse große Schwierigkeiten sich ein neues geeignetes Quartier zu suchen bzw. überhaupt eines zu finden. Durch die Sanierung und Dämmung von Häusern verschwinden Spalten oder Möglichkeiten einer Dachbodennutzung. Das Abreißen alter Gebäude, Scheunen oder Ställe kann ebenfalls mit einer Zerstörung eines Fledermausquartieres einhergehen.

Gefährdung der Winterquartiere durch Störung

Gefährdung der Winterquartiere durch Störung

Geeignete Winterquartiere wie Keller, Stollen oder Höhlen werden verschlossen oder durch Betreten permanent gestört. Jede Störung weckt die Fledermäuse und sie erleiden einen enormen Energieverlust. Bei häufigen Störungen verhungern die Fledermäuse noch vor dem Frühling.

Verlust von Baumhöhlen und Totholz

Verlust von Baumhöhlen und Totholz

Durch die Fällung alter Bäume gehen Baumhöhlen verloren. Das ist nicht nur für Fledermäuse problematisch, die Ausräumung von Totholz ist auch für Vögel oder Insekten eine existenzielle Bedrohung.

Nahrungsmangel durch Pestizide und Umweltgifte

Nahrungsmangel durch Pestizide und Umweltgifte

Der Einsatz von Pestiziden in Land- und Forstwirtschaft sowie im heimischen Garten trägt sein Übriges bei, es führt zum globalen Insektensterben und damit zum Nahrungsmangel für Fledermäuse. Umweltgifte wie Pestizide, Holzschutzmittel oder Schwermetalle reichern sich im Körper der Fledermäuse an, sie geben diese über ihre Muttermilch an ihr Jungtier weiter und machen diese auf Dauer krank oder unfruchtbar.

Gefährdung durch Windenergieanlagen

Ein weiteres zentrales und aktuelles Problem sind Windenergieanlagen. Zum einen stellt die Kollision mit den Rotorblättern eine Gefahr dar, aber auch der Druckunterschied an den Rotoren sind für Fledermäuse tödlich (Barotrauma). Besonders betroffen sind ziehende Fledermausarten im Spätsommer und Herbst.

Natürliche Feinde 

Fledermäuse haben auch viele natürliche Feinde, wie Marder, Eulen, Ratten, Fuchs oder Schlangen. Der größte Fressfeind ist jedoch wieder menschgemacht: Die Hauskatze.
Katzen sind ein unterschätztes Problem in Siedlungen, da diese viele geschwächte oder ausfliegende Fledermäuse abfangen.

Langsame Fortpflanzung verschärft die Gefährdung

Jede Gefahr, jede Störung und jeder Verlust innerhalb einer Fledermauspopulation ist immer kritisch! Fledermäuse haben eine sehr langsame Fortpflanzung (i.d.R. nur ein Jungtier pro Jahr) und eine späte Geschlechtsreife. Populationen erholen sich daher nur sehr langsam.

Schutzmaßnahmen

Die größte Gefahr für Fledermäuse ist nicht ein einzelner Faktor, sondern die Summe aus:
Quartierverlust + Insektensterben + Licht + Landschaftszerschneidung + Prädatoren.
Deshalb sind Orte mit sicheren Winterquartieren, dunklen Flugkorridoren und strukturreicher Umgebung von unschätzbarem Wert für den Fledermausschutz.

Welche Schutzmaßnahmen am Kalkberg gibt es?

Die Kalkberghöhle in Bad Segeberg bietet mit seinen besonderen Bedingungen ein einzigartiges Winterquartier für Fledermäuse in Nordeuropa. Jährlich suchen ca. 30.000 Fledermäuse die Höhle auf, um hier ihren langen Winterschlaf zu verbringen. Zum Erhalt dieses für die Fledermäuse so bedeutenden Lebensraums, wurden am Kalkberg verschiedene Schutzmaßnahmen eingerichtet:

Wie funktionieren die Lichtschranken/wie werden die Daten genutzt?

Die von Karl Kugelschafter (Wildtier-Biologe) entwickelte Lichtschranke ist speziell für Fledermaus-Monitoring ausgelegt und weist folgende Merkmale auf:

Kugelschafters Lichtschranke wird oft mit einer digitalen Infrarotkamera kombiniert. Ausgelöst durch die Lichtschranke, werden Fotos oder Videos der Tiere erfasst. So kann man nicht nur zählen, sondern oft auch Arten bestimmen.

Dank kontinuierlicher Erfassung über Jahrzehnte lassen sich Jahreszyklen der Aktivität rekonstruieren, z. B. das Ende des Winterschlafs, Paarungsperioden oder spätsommerliche Schwärmaktivität.  

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